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Beate Limbacher

Nachhaltig dämmen mit Hanf

Die Energieeinsparverordnung EnEV schreibt es sinnvollerweise vor: Gebäude müssen in ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) „einpackt“ werden, um Wärmeverluste zu reduzieren und den CO2-Fußabdruck zu verringern. Allerdings bedeutet energieeffizientes Bauen und Sanieren nicht automatisch, dass die Maßnahmen auch ökologisch nachhaltig sind. Betrachtet man die gesamte Lebensdauer – von der Produktion über den Transport, die Verarbeitung bis hin zur Entsorgung – gibt es je nach verwendeten Dämmstoff signifikante Unterschiede.

Bislang kommt in Deutschland vorwiegend Polystyrol oder Mineralwolle als Dämmstoff zum Einsatz. Polystyrol ist günstig, ist aber – wie das Bauzentrum München in dem neu herausgegebenen „Leitfaden Dämmstoffe 3.0“ herausstreicht, in der Herstellung aufwändig und umweltbelastend: „Es basiert auf den fossilen Rohstoffen Erdöl, Erdgas und Steinkohle. Bei der Herstellung sind Gefahrstoffe mit erheblichem Risikopotential beteiligt, zum Beispiel Benzol (toxisch) und Ethylen (hochentzündlich). Das daraus hergestellte Styrol ist ebenfalls toxisch und steht im Verdacht krebserzeugend zu sein.“

Ein weiteres Problem, das sich in einigen Jahrzehnten mit Sicherheit bemerkbar machen wird, ist die Entsorgung. Nichts hält bekanntlich ewig, und seit den 60er Jahren wurden viele Millionen Quadratmeter Polystyrol verbaut.

Etwas besser sieht die Öko-Bilanz bei Mineralwolle aus, das zum großen Teil aus Altglas, Sand, Soda und Kalk hergestellt wird. Die Rohstoffe könnten zwar wiederverwertet werden, meist wird die Mineralwolle aber mit hohem Kostenaufwand auf Deponien entsorgt. Auch ist die Herstellung mit einigem Energiewaufwand verbunden.

Welche Alternativen gibt es? Bei der Sanierung eines Reihenhauses in München haben wir erstmals mit Hanf gedämmt. Unterstützt hat uns dabei die Firma Caparol, die uns Hanf-Amateure auch vor Ort unterstützt und die Handwerker eingewiesen hat. Herzlichen Dank dafür!

Hanf wächst auch hierzulande schnell, etwa 2 bis 4 Zentimeter pro Tag. Hanf hat eine hohe Schädlingsresistenz, was den Einsatz von Pflanzenschutzmittel in der Regel überflüssig macht. Daraus werden dann unter geringem Energieaufwand Dämmplatten hergestellt. Zum Schneiden ist Spezialwerkzeug (ein sog. „Alligator“) erforderlich. Die Öko-Bilanz von Hanf kann sich sehen lassen: Schon im Wachstum bindet Hanf mehr Kohlenstoff als z.B. Wald – der Herstellungsprozess weist eine positive CO2-Bilanz auf.

Die Dämmplatten sind besser recyclingfähig, auch wenn sie nach Herstellerangaben noch rund 11% Kunstfaser enthalten. Es gibt, wie ich gelernt habe, WDVS-Systeme, die ohne solche Zusätze auskommen z.B. aus Holzweichfaserplatten, Schilf oder Kork, zudem lassen sich auch auf Holzlatten o.ä. angebrachte Holzweichfaserplatten mit Hanffasern oder -matten hinterfüllen, wie es das Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit zum Teil beim Neubau des Institutgebäudes in Rosenheim gemacht hat.

Das Dämmen mit Hanf (wie mit anderen Naturdämmstoffen) ist teurer als mit herkömmlichen Dämmmaterialien. Die Stadt München bietet aber ein Förderprogramm („CO2-Bonus“) für Naturfasterdämmstoffe an, mit dem sich Mehrkosten dämpfen lassen. Das vielleicht größte Hindernis für den Einsatz von natürlichen Dämmstoffen besteht in der fehlenden Sachkenntnis der ausführenden Firmen und dem anzuschaffenden Spezialwerkzeug. Auch liegen die Dämmstoffstärken u.U. höher als bei den herkömmlichen Dämmmaterialien, um eine vergleichbare Wärmedämmung zu erzielen.

Einen Vorteil, den Caparol auf der Website nicht erwähnt, möchte ich nicht verschweigen: Es duftet auf der Baustelle ganz wunderbar nach frischem Heu.