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Vollgeparkte Strasse
Picture of Beate Limbacher

Ohne eigenes Auto – geht das?

Vor zwei Jahren lief mein Leasingvertrag für mein Auto aus. Eigentlich wollte ich auf ein E-Auto wechseln, aber zum damaligen Zeitpunkt war das Angebot recht dürftig, auch gab es etliche Hürden, ein E-Auto nachts zuhause laden zu können. Also verlängerte ich meinen Leasingvertrag um ein weiteres Jahr.

Nach und nach kam ich jedoch zu dem Schluss, dass es eigentlich nicht besonders zukunftsträchtig ist, ein Auto in der Stadt zu besitzen. Den Großteil der Zeit steht ein Auto ohnehin in der Garage oder am Straßenrand und beginnt, unmittelbar nach dem Kauf an Wert zu verlieren. Wäre es nicht sinnvoller, ein Auto nur dann zu mieten, wenn man es wirklich braucht? In meinem Bekanntenkreis war die Verwunderung, aber auch das Entsetzen groß, irgendwie so, als wollte ich mir ein Bein abhacken. Da heißt es reflexhaft: “Ich könnte das nicht, weil…”

Für die meisten Autofahrer sind die Gründe, ein Auto besitzen zu müssen, weniger rational, als emotional motiviert: Der Besitz eines Autos vermittelt ein Gefühl von Freiheit, jederzeit von A nach B kommen zu können. Angesichts chronisch verstopfter Straßen, fehlender Parkplätze und eines gut ausgebauten Nahverkehrs ist der Autobesitz für die meisten Stadtbewohner, zumindest für diejenigen, die nicht weit zum Arbeitsplatz pendeln müssen, wohl mehr Gewohnheit und Statussymbol als Notwendigkeit. Mobilität geht auch anders.

Es gibt Alternativen, die günstiger, praktischer und umweltfreundlicher sind, falls tatsächlich mal ein Auto benötigt wird. Car-Sharing? Das wäre doch viel sinnvoller und vor allem ressourcenschonender. Ein halbes Jahr vor Ablauf meines Leasingvertrages begann ich mich innerlich vorzubereiten. Jedesmal, wenn ich meinen Autoschlüssel in die Hand nahm, fragte ich mich, was ich tun würde, wenn ich jetzt kein Auto hätte. Nach und nach fiel es mir leichter, eine Antwort zu finden. Und so fasste ich endgültig den Entschluß, es ohne eigenes Auto zu probieren. Ich gebe zu, es war nicht einfach und ich hatte des öfteren meine Zweifel: Wozu mache ich das? Warum tue ich mir das an?

Da die üblichen Sharingangebote von meinem Haus zu weit weg waren, nutzte ich zu Beginn oft ein Taxi, wenn das Ziel nicht einfach mit dem Rad oder zu Fuß erreichbar war. Das Carsharing-Angebot hat sich seitdem verbessert, das nächste Angebot liegt jetzt keine fünf Gehminuten entfernt, dort wartet ein recht neues Sharing-Auto in einer Tiefgarage auf mich. 

Meistens benutze ich allerdings mein E-Bike. Ausgestattet mit Satteltaschen fahre ich damit nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zu meinen nahegelegenen Baustellen. Es ist ein befreiendes Gefühl, gar nicht erst darüber nachdenken zu müssen, ob es zum Rad eine Alternative gibt. Und gesund ist es auch, ich fühle mich körperlich fit.

Was ergänzend gut funktioniert, ist, ein Auto für einen längeren Zeitraum bzw. größere Strecken zu mieten, etwa für ein langes Wochenende oder einen Kurzurlaub. Da beginnt das Urlaubsfeeling schon beim Losfahren und nicht erst im Hotel. 

Die durchschnittlichen Gesamtkosten für Anschaffung, Betrieb und Wertverlust eines Autos werden meist viel zu niedrig geschätzt, sie liegen derzeit bei rund 425 Euro pro Monat (RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Universitäten Mannheim und Yale, 2020). Für Taxi, Car-Sharing, Automiete und E-Bike gebe ich hochgerechnet maximal die Hälfte aus.

Fazit: Es ist nur eine Kopfsache. Sobald man sich an die neue Situation gewöhnt hat, ist es befreiend.

Tipps:

  • vorab Sharing-Angebote in der Nähe suchen
  • frühzeitig beginnen, sich mental vorzubereiten
  • Umstieg für den Frühsommer planen, da es da wegen dem Wetter am einfachsten ist, erstmal mit dem Rad zu fahren.

Ich kann es jedem nur empfehlen, es auszuprobieren.